Chronik

Familie Semy Wolf

Hügelstraße 12


Semy Wolf
Else Wolf (geb. Simon)
Doris Wolf
Walter Wolf

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Semy Wolf wurde am 19. September 1885 in Langen in der Hügelstraße 12 als Sohn des Seifensieders Markus Wolf und seiner Ehefrau Sophie (geb. Schweitzer) geboren.

Semy arbeitete ebenso wie sein Bruder Friedrich im elterlichen Betrieb als Seifensieder. Die Familie Wolf ist seit 1847 in Langen nachweisbar.

   

Er heiratete um 1919 Else Simon, geboren am 16. Februar 1898 in Krefeld.

Sie war ausgebildete Pianistin und hatte bei einer Schülerin von Clara Schumann in Düsseldorf gelernt.

Sie hatten zwei Kinder:

Doris Elisabeth, geboren am 8. Juni 1921 in Langen und  Walter, geboren am 7. März 1925 in Langen.

Die Kinder besuchten – wie die Kinder anderer jüdischer Familien auch – die Langener Volksschule. Ihre Teilnahme an allen schulischen Veranstaltungen war bis zur Machtübernahme der Nazis völlig selbstverständlich und normal.

   

Doris verließ 1934/35 die Schule ohne Abschluss. Für ihren Berufswunsch Modedesign sollte sie in einem Atelier erst  zuschneiden und nähen lernen. Sie fand eine Lehrstelle in Frankfurt, wo sie ein Jahr lang lernte. Danach wurde das Atelier von einem „Arier“ übernommen und sie wurde von einer Minute zur anderen hinausgewiesen. Völlig verstört kehrte sie nach Langen zurück.

 

 

Doris Wolf (links) mit Freundinnen

Sie fand eine Stellung als Köchin und Hausgehilfin bei einer netten Familie in Frankfurt. Doris träumte jetzt davon Ärztin zu werden. Nach der Heirat ihrer Krefelder Tante mit einem Allgemeinmediziner zog sie zu den beiden nach Grevenbroich um den Beiden bei kleineren Tätigkeiten im Haushalt und in der Praxis zu helfen.

   

1936 starb der Großvater in Krefeld-Linn und die Arztfamilie wanderte nach Brasilien aus.
Jetzt zog Else am 14.10.1936 mit ihrem Mann Semy zurück nach Krefeld-Linn in ihr Elternhaus, Rheinbabenstr. 106.

Walter ging in eine jüdische Schule in Krefeld. Doris lernte weiter kochen und nahm Spanischunterricht.
Semy bekam 1938 ein Visum für eine Arbeit in einer Seifenfabrik in Kolumbien.

Während  Semy am 15. Februar 1938 mit dem Dampfer Ordina nach Buenaventura, Kolumbien emigrierte, musste Else mit ihrem Sohn Walter in Linn bei ihrer Familie bleiben.

Doris Wolf emigrierte am 20.8.1939 nach Großbritannien. Sie verlor jeden Kontakt zu ihrer Familie in Deutschland und Kolumbien. Sie lernte bei der Familie, die sie in letzter Minute aufgenommen hatte, Englisch. Nach mehreren Prüfungen wurde sie 1942 im General Hospital in Grantham als angestellte Krankenschwester angenommen. Dort lernte sie drei Jahre und bestand schließlich ihr Examen als staatlich anerkannte Krankenschwester.

   

Else und Walter zogen innerhalb von Krefeld mehrfach um, so in die Rheinbabenstraße 6, Hohenzollernstraße, Moerser Str., und schließlich 1940 in die Neußer Str. 38. Von dort aus wurden Mutter Else und Sohn Walter gemeinsam  mit Elses Schwester Olga Alexander, geborene Simon, am 22.4.1942 nach Izbica deportiert. Dies war einer der Transporte in die Vernichtungslager. Offiziell ist ihr Schicksal unbekannt.

Nachdem Doris von der Deportierung ihrer Mutter und ihres Bruders gehört hatte, hoffte sie, zu ihrem Vater nach Kolumbien fahren zu können. Seit einem Jahr arbeitete sie als Stationsschwester. Man riet ihr jedoch, vor einer Auswanderung noch eine weitere Qualifikation zu machen. Nach Rücksprache mit ihrem Vater zog sie 1946 nach Bristol (Großbritannien), um den Beruf der Hebamme zu erlernen. Nachdem sie diese Ausbildung abgeschlossen hatte, überredete man sie dazu, ein Diplom zum Unterrichten zu machen. Ihr Vater war damit natürlich einverstanden und sie schob die Reise nach Kolumbien erneut auf. Schließlich lernte sie einen Mann mit zwei mutterlosen Kindern kennen. Unter der Bedingung, dass ihr Vater zu ihnen kommen sollte und sie den Kurs zu ihrem Diplom weiter machen konnte, heirateten sie. Jetzt bemühte sich Doris  um die Papiere für ihren Vater. Sie hatte fast alles zusammen, als ihr Vater starb.
Doris lebt heute in Bristol, GB. 

 

 

Doris Elizabeth Wilkins (Wolf) 2008 bei der Stolpersteinverlegung