Chronik

Familie Hermann Kahn

Wilhelm-Leuschner-Platz 19


Franziska Kahn (geb. Wolf)
Bernhard Kahn
Bertha Betty Kahn
Wilhelm Kahn

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Hermann Kahn II. wurde am 14. April 1860 in Oberroden als Sohn des Moses Kahn, Handelsmann, und dessen Ehefrau Buhle, geborene Stern, geboren.  Am 6. November 1883 heiratete er in Langen Franziska Wolf.

Er betrieb (mindestens seit 1900) am Ludwigsplatz (Wilhelm-Leuschner-Platz) 19 seine Metzgerei, wo er auch ein Schlachthaus und Stallungen unterhielt.

 

Herman Kahn war – wie wohl die meisten jüdischen Einwohner – in Langen gut integriert. Im August 1914 spendet Hermann Kahn II. – gemeinsam mit weiteren Juden aus Langen – bei einer Kriegsfürsorge-Sammlung der israelitischen Religionsgemeinde „ohne Ansehen der Confession“ eine Summe von insgesamt 424 Mark.

Hermann starb am 19. 6. 1937 in Frankfurt.

Franziska Wolf wurde in Langen am 2. Februar 1862 als Tochter des Wolf Wolf und dessen 2. Ehefrau Johannetta, geborene Kahn, in der Taunusstraße 2 - 6 geboren. Sie war die Stiefschwester des Seifensieders Markus Wolf (Vater des Semy Wolf).

Hermann und Franziska  hatten 2 Söhne (Bernhard und Wilhelm) und 2 Töchter (Mathilde und Bertha Betty)

 

Hermann Kahn

 

Bernhard Kahn wurde am 11. Februar 1884 in Langen geboren. Er besuchte die Volks- und Realschule in Langen sowie die Adlerflychtschule in Frankfurt.  

Bernhard war aktiver Sportler. Schon in jungen Jahren war er Gründungsmitglied und 1. Vorsitzender des 1. FCL 03 und hat damit die Verbreitung des damals neuen  Fußballsports entscheidend beeinflusst.

Bernhard Kahn veröffentlichte am 17. März 1901 im Alter von 17 Jahren im Langener Wochenblatt einen Gründungsaufruf für einen Fußballklub Langen, dem später FCL 03. Das Fußballspiel scheint er während seiner Lehre in Frankfurt kennen gelernt zu haben. Kahn wurde der 1. Vorsitzende des neu gegründeten Vereins.

Neben seiner Leitungsfunktion fand er Zeit für aktiven Sport, wie zahlreiche Zeitungsmeld-ungen der damaligen Zeit belegen. Bei einem Spiel gegen Bockenheim am 8. April 1903 muss Kahn als Back (Verteidiger) im Straßenkostüm einspringen und zeigt sich von seiner besten Seite.

Auch im Turnverein hat er Erfolg. Im Oktober 1903 gewinnt er mit 5,60 m Weitsprung, 1,45 m Hochsprung und 13 Sek. im 100-m-Lauf den 1. Preis. Beim 400-m-Stafettenlauf gewinnt die Mannschaft der Fußballabteilung über die Mannschaft der Turnabteilung.

Über das Stiftungsfest des Fußballklubs 03 in der Westendhalle im Oktober 1904 schreibt das Langener Wochenblatt:

Nachdem Herr B. Kahn in markig schwungvoller Rede die Gäste im Namen des FKL 03 begrüßt hatte und auf die Bedeutung des Tages hingewiesen hatte, wurden die Preise verteilt.

3. Preis B. Kahn in der 1. Klasse.

Auch in den Jahren 1905 und 1906 erzielt Bernhard Kahn immer wieder Preise beim Preisturnen.  

Nach der Schule absolvierte Bernhard Kahn eine kaufmännische Ausbildung bei der Konfektionsfirma „Amerikaner & Mayer“ (in Ffm). Dort und in weiteren Firmen arbeitete er später auch als Reisender. Er gründete die Konfektionsfirma „Kahn, Levi & Co.“ mit Sitz im Großen Hirschgraben 9, die jedoch vor 1933 aufgelöst wurde.

Danach eröffnete er zusammen mit seiner  Ehefrau  in der Kaiserstraße 48 eine Vertretung für Damenkonfektion. Der Betrieb musste zum 31. Dezember 1938 zwangsweise eingestellt werden.

Ab 1939 arbeitete Bernhard Kahn bei der Jüdischen Gemeinde in der Abteilung Statistik.

Die Familie Kahn wohnte in der Varrentrappstraße 47/I, und später in der Joseph-Haydn-Straße 55 (Mendelssohnstraße)

Bernhard wird zu einem unbekannten Zeitpunkt deportiert und stirbt am  23.07.1942 in Lodz.

 Bernhards Frau Berthel Strauß wurde am 9. Januar 1892 in Dieburg geboren. Am11.06.1920 heiratete sie Bernhard Kahn in Frankfurt. Sie bekamen zwei Kinder:

Tochter Brunhilde Irene wurde am 7. September 1921 in Frankfurt/Main geboren.

Am 15. Januar 1924 kam der Sohn Manfred Werner ebenfalls in Frankfurt/Main zur Welt. Er wurde von Frankfurt aus am 20.10.1941 nach Litzmannstadt (Lodz) deportiert.

   

Mathilde Kahn wurde am 17. 2. 1885 in Langen geboren. 1912 heiratete sie den Metzger-meister Heinrich Bär. Die Eheleute wohnten in der Obergasse 4. Die Ehe blieb kinderlos.

Seit 1934 war sie Witwe. Sie führte die Metzgerei ihres Mannes weiter. Nach den Frühjahrsausschreitungen 1938 flüchtete sie am 30. 5. nach Frankfurt in die  Rüsterstraße 5. Im Mai/ Juni 1942 wurde sie in die Region Lublin deportiert, vermutlich in das Vernichtungslager Sobibor.

 

(Siehe: Mathilde Bär) .

 

Bertha Betty Kahn geboren am 14. Oktober 1891 in Langen, besuchte die Volksschule in Langen. Anschließend absolvierte sie eine Weiterbildung an der Frankfurter Handelsschule für Mädchen in der Junghofstraße. Sie fand eine Anstellung als Kontoristin bei der Eisenwarenfirma „Kaufmann“ auf der Zeil. Zeitweise war sie als Sekretärin bei der Stadt Frankfurt und der „Preußisch-hessischen Dampfbäckerei“ beschäftigt. Später führte sie als Selbstständige ein kleines Textilwarengeschäft im Elternhaus, Ludwigsplatz 19, in Langen.

1936 verzog sie nach Offenbach, 1938 meldet sie sich nach Frankfurt/M, Sandweg 14 ab. Letzte Frankfurter Adresse (zusammen mit der Mutter) ist der Dominikanerplatz 8/I (Börne-platz). Laut Devisenakte waren Berta Kahn und ihre Mutter Wohlfahrtsempfängerinnen.

Berta Kahn wurde wahrscheinlich in ein Konzentrations- oder Vernichtungslager verschleppt, wo sie ums Leben kam. Ihr Todesdatum wurde auf den 8. Mai 1945 festgesetzt.

   

Wilhelm Kahn, geboren am 23. April 1898 in Langen, wohnte zuletzt in der Hindenburgstraße 22 (heute: Friedrich-Ebert-Straße). Er war verheiratet.

Seine Frau und seine Kinder lebten seit 1940 in den USA. Wilhelm Kahn wollte ebenfalls auswandern, doch vor seiner Emigration wurde er 1942 in das KZ  Theresienstadt verschleppt. Er erlebte dort die Befreiung und ist danach nach New York ausgewandert.

Nach der Plünderung ihrer Wohnung am 9. November 1938 suchte Franziska und ihre Angehörigen Schutz im Rathaus – vergeblich. Am 12.12.1938 flüchtete sie nach Frankfurt/M, Sandweg 14. Vorher verkaufte sie ihr Haus an ihren Nachbarn Seipp.  Eine Altstadtbewohnerin erinnert sich:

Im November 1938, nachdem die Meute mit Steinen nach dem Haus der Familie Kahn warf, nahm Herr Seipp Bertha Kahn  die Familie hatte sich entschlossen nach Frankfurt zu ziehen mit dem Auto mit zum Gericht und schloss mit ihr den Kaufvertrag über das Haus des Metzgers Kahn ab“.

Franziska Kahn wurde am 15. September 1942 im Alter von 80 Jahren in das Durchgangs- und Konzentrationslager Theresienstadt deportiert, wo sie am 4. August 1943 starb.

 

Aus den Brandversicherungsakten

Besitzverhältnisse des Hauses:  Ludwigsplatz 19 (546)

Wohnhaus 2. Stock, 1892, Schlachthaus, Viehstall, Schlachthalle mit Kniestock

Versicherungskapital 4.800

  • seit ca. 1900 Hermann Kahn
  • 1938 Heinrich Seipp III.