Chronik

Familie Martin Moritz Kahn

Fahrgasse 23

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Martin Moritz Kahn
Bella Paula Kahn, geb. Jacobi
Regina Hilda Pick, geb. Kahn
Berthold-Issachar Kahn
Sofie Elisabeth Waldmann, geb. Kahn
Alma Jeane Irene Kahn
   

Martin Moritz Kahn wurde am 7. Juli 1880 in Egelsbach geboren. Die Eltern waren Hermann Kahn I. und seine Ehefrau Henriette geborene Löwenstein. 1907 zog die Familie nach Langen in die Fahrgasse 23, wo der Vater Hermann das Warenhaus Bauer übernahm.

Das Warenhaus von Leopold Bauer existiert schon seit mindestens 1861 in Langen. Dessen Schwiegersohn Siegfried Metzger führte es bis 1907 weiter. Am 10. 08. 1908 übernahm Moritz Kahn das Kaufhaus von seinem Vater. Am 16.09.1932 konnte Moritz Kahn 25-jähriges Firmenjubiläum feiern.

 

 

 

 

 

Nach seiner Lehre bei der Firma S. Mayerfeld in Frankfurt/M war Martin Moritz 2 Jahre bei der Frankfurter Wäschefabrik M. Strauss und später 6 Jahre bei der Fa. Rosenbach & Co., Textil en gros als kaufmännischer Angestellter tätig. Anschließend kam er in das elterliche Geschäft in Langen.  Als einer von wenigen in Langen besaß Martin Moritz Kahn schon 1929 ein 14 PS starkes Automobil.

Am 20. August 1907 heiratete er in Eich die am 26. Mai 1882 in Lorsch geborene Bella Paula Jacobi, Tochter des Bernhard Jacobi I. und seiner Ehefrau Sara, geborene Schott.

Bella Paula und Martin Moritz Kahn hatten vier Kinder:

   

Regina Hilda Kahn geboren am 3. Mai 1908 in Langen.

Am 20. Januar 1933 heiratete sie Alfred Pick. Sie meldete sich 1935 nach Frankfurt/M, Sternstraße 13 ab, am 31. 5. 1935 wanderte sie nach Palästina aus. 1965 wohnte sie in Givatim, Modi`instr. 14.

   

Berthold-Issachar Kahn geboren am 23. September 1909 in Langen. Er wanderte ebenfalls nach Palästina aus. 1965 war er Mitglied des gemeinschaftlich bewirtschafteten Dorfes Regba bei Naharia.

   

Sofie Elisabeth Kahn geboren am 1. November 1910 in Langen. Auch Sofie wanderte mit den Eltern und Geschwistern nach Palästina aus. Nach ihrer Heirat 1965 trug sie den Namen Waldmann. Sie war Hausfrau und  wohnte in Herzliah, Sokolowstr. 49.

   

Alma Jeane Irene Kahn geboren am 10. September 1912 in Langen. Mit neunzehn Jahren machte Irene sich im Stenoverein 1897 einen Namen. Im Mai 1931 erhielt sie beim Bezirks-tag Kurzschrift in Langen den 1. Preis über 80 Silben. Im September erzielte sie bei 19 Teilnehmern über 100 Silben ebenfalls den 1. Preis sowie einen Ehrenpreis.

Alma wanderte mit den Eltern und Geschwistern nach Palästina aus. 1965 war sie eine ver-heiratete Nußbaum, ebenfalls Hausfrau, wohnhaft in der Yahalomstr. 9, Ramat Gan.

   

Ende 1934 musste Moritz Kahn sein bis zur Nazi-Herrschaft florierendes Warenhaus schließen.

„Nach dem Aufkommen des Naziregimes konnte ich mein bis dahin sehr gut gehendes Geschäft unter dem Druck der Nazis nicht mehr aufrechterhalten. Insbesondere wurden meine Kunden von Beamten des gegenüberliegenden Finanzamtes scharf beobachtet, verhöhnt und belästigt. So mußte ich schließlich dem Druck nachgeben und habe Ende 1934 mein Wohn- und Geschäftshaus in Langen mit Verlust verkauft“.

In einer Zeitungsannonce verabschiedete sich die Familie Kahn am 26. Juli 1935 von den Freunden und Bekannten.

Diese Annonce führte zu massiven Ausschreitungen gegen den Verleger des „Langener Wochenblatts“ (Frankfurter Straße 11).

Im Sommer 1935 emigrierte die Familie nach Palästina. Zuletzt lebte Moritz Kahn in Ramat Gan/ Israel.

In Palästina hatte er zuerst überhaupt keine Erwerbsmöglichkeit, hauptsächlich weil er die Landessprache nicht beherrschte. Auf Anraten von Bekannten übernahm er einen Kuhstall. Doch bald darauf erkrankten die Kühe und er musste sie abschlachten. So führte er jahrelang einen schweren Existenzkampf und war auf die Hilfe seiner Kinder angewiesen.

1949 wendete sich der damalige Bürgermeister Wilhelm Umbach in einem Brief an Moritz Kahn, um eine Verzichtserklärung für den nachfolgenden Eigentümer des Anwesens der Familie Kahn einzufordern, damit dieser „bei den Recherchen unbehelligt bleibt“. Wilhelm Umbach machte Martin Moritz Kahn ausdrücklich darauf aufmerksam, dass er sein Anwesen nach mehreren Verhandlungen „wenn auch in großer Not, immerhin freiwillig an Herrn Schmitt“ verkauft habe (Brief von Wilhelm Umbach an Moritz Kahn, 18. Juni 1949)

Vier Wochen später scheint Moritz Kahn die Verzichtserklärung abgegeben zu haben.

Am 14. April 1960 starb Martin Moritz Kahn in Tel-Aviv.

Aus den Brandversicherungsakten:
Besitzverhältnisse des Hauses
Fahrgasse 23

  • 1885 Karl Thon
  • 1897 Siegfried Metzger
  • 1908 Hermann Kahn I.
  • 1920 Moritz Kahn
  • 1935 Emil Schmitt