Chronik

Familie Karoline Simon

Darmstädter Straße 6

Karoline Simon (geb. Freimark)
Georg Simon
Karl Meyer Simon

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Adolf Simon wurde am 13.02.1875 in Langen. Er erlernte den Beruf des Schuhmachers und legte auch seine Meisterprüfung ab.

Er war in zahlreichen Vereinen aktiv: im Gesangverein Frohsinn, im Sport- u. Sängerverein, im Gewerbe- und Verschönerungsverein, im Verkehrsausschuss, im Obst- und Gartenbauverein und beim Vogelsberger Höhenklub. Am 28.3.1911 wird er in öffentlicher Sitzung zur Einkommensteuer-Einschätzungskommission gewählt.

1911 wird im Langener Wochenblatt seine Arbeit gelobt. Am 22. August heißt es:

„Der Werdegang des Boxcalf-Stiefels, Maßarbeit usw., das sind die Auslagen der Firma Ferd. Simon Schuhfabrik. Die Aufmachung steht nicht hinter den anderen zurück und zeugt von guter Reklametechnik des Ausstellers.“

1914 bis 1922 ist Adolf Simon im Hauptvorstand des Gewerbevereins. Am Gewerbegericht war er Beisitzer der Arbeitgeber.  Auch er spendete 1916 bei der Haussammlung für die Kriegsfürsorge. 1922 ist er Beisitzer im 4. Bezirk der Gemeindewahlkommission.

Adolf  heiratete am 8. November 1903 Karoline Freimark, geboren am 5. April 1879 in Bindsachsen bei Büdingen. Karoline, genannt Lina, besuchte von 1885 bis 1893 in Büdingen die Volksschule. Nach ihrer Heirat arbeitete sie im  Geschäft ihres Ehemannes mit.

 Die beiden hatten zwei Söhne:

 Georg Simon, geboren am 14. September 1905 in Langen, der ebenfalls Schuhkaufmann wurde. Er besuchte von 1912 bis 1918 die Realschule in Langen, danach 4 Jahre das Darmstädter Pädagogium. Anschließend ging er ein Jahr lang in die Handelsschule in Frankfurt. Im Jahr 1923 begann er eine Kaufmännische Lehre in der Schuhfabrik R. & W. Nathan in Frankfurt. Hier lernte er 2 Jahre lang. Von 1925 bis 1927 war er als Reisender tätig. Als der Vater  starb, trat er 1927 als Teilhaber in das väterliche Geschäft ein.

1935 heiratete er Gertrude Adler aus Limburg/Lahn und betrieb mit seiner Frau und deren Mutter in Limburg ein Geschäft. Doch schon bald nach der Hochzeit mussten sie ihr Geschäft aufgeben und zogen nach Frankfurt.

Karl Meyer Simon, geboren am 4. Februar 1907 in  Langen; er machte eine kaufmännische Lehre. Karl war der einzige Musikausübende in der Familie. Er spielte auf einem Klavier, das sein Vater im Jahr 1925 gekauft hatte.

Beide Söhne waren aktiv in der Sozialdemokratischen Partei tätig.

Der herzkranke Adolf Simon starb nach mehreren Krankenhausaufenthalten am 9. Juni 1927 in Langen. In einer Traueranzeige im Langener Wochenblatt heißt es:

„Gestern verschied nach längerem Leiden der Inhaber der allbekannten Firma Ferd. Simon, Herr Adolf Simon im Alter von 52 Jahren. Der so früh aus dem Leben Geschiedene war eine hier allgemein geachtete und beliebte Persönlichkeit. Sein Tod, der in seiner Familie eine gewaltige Lücke gerissen, wird tief bedauert.“

Die Firma Ferdinand Simon wurde 1870 von Ferdinand Simon gegründet. Die bis dahin nicht eingetragene Firma: „Schuhwarenhandlung Kaufmann Ferdinand Simon und Kaufmann Adolf Simon“ wird ab 1.8.1902 zur oHG. 1910 stirbt Ferdinand Simon, und sein Sohn Adolf führt die Firma bis zu seinem Tode im Jahr 1926 weiter. Die Firma geht dann an dessen Söhne Georg und Karl Meyer Simon über, die sie bis 1933 führen.

Darmstädter Straße 6 - Schuhgeschäft Simon

Georg und Karl und ihre Mutter waren jeweils zu einem Drittel handelsgerichtlich als Inhaber des Schuh- und Ledergeschäftes eingetragen. Das Geschäft ging gut; das Durchschnitts-Jahreseinkommen wurde später auf mindestens 10 000 RM geschätzt.

Doch 1933 mussten die Simons  das Geschäft verkaufen, „weil durch nazistische Aktionen unser  Leben in Gefahr war“ (Karoline Simon 1954 im Entschädigungsverfahren).

Georg und Karl waren nicht nur als Juden sondern auch als Sozialdemokraten im Visier der Nazis. Am 6. März 1933 (am Tag nach der Reichstagswahl, die den Nazis zwar Stimmverluste, aber trotzdem eine Mehrheit brachte) waren sowohl in Neu-Isenburg als auch in Langen Anhänger der SPD und der KPD verhaftet und misshandelt worden, wobei der Schlägertrupp in Neu-Isenburg von SA-Männern aus Langen kommandiert wurde, die Gewalttätigkeiten gegen Langener NS-Gegner von SA- und SS-Männern aus Neu-Isenburg verübt wurden.

 



 

 

 

Georg Simon